- IAPN im Dialog diskutiert „Potato potentials in Africa“

Das Institute of Applied Plant Nutrition – IAPN hat in der Veranstaltungsreihe „IAPN im Dialog“ die Bedeutung der Kartoffel zur Bekämpfung von Hunger und Armut in Afrika in den Mittelpunkt gestellt. Internationale Referenten diskutierten mit Studierenden, Wissenschaftlern und weiteren Gästen über Herausforderungen wie die Verfügbarkeit von Fachwissen zum Kartoffelanbau, den Zugang zu Produktionsmitteln und den Aufbau einer tragfähigen Wertschöpfungskette.

 

Pressemitteilung des IAPN vom 28.06.2016

Als sättigende und zugleich nährstoffreiche Kultur spielt die Kartoffel eine wichtige Rolle bei der Ernährungssicherung in afrikanischen Ländern. Darüber hinaus bietet sie das Potential, Kleinbauern über die Subsistenzwirtschaft hinaus ein Einkommen zu ermöglichen. Um dieses Potential zu heben, müssen allerdings die hohen Ansprüche der Kartoffel beim Anbau, der Lagerung und Infrastruktur erfüllt werden – so das Fazit der Diskussion bei der Veranstaltung „IAPN im Dialog“.

Vom Kartoffelanbau durch äthiopische Kleinbauern bis zum hochtechnisierten, großflächigen Anbau in den USA reichten die spannenden Einblicke in den weltweiten Kartoffelanbau, die Florian Dieker als Einstieg in das Thema bot. Der Masterabsolvent der Universität Göttingen startete im August 2013 zu seiner persönlichen world potato tour. „Die Herausforderungen beim Kartoffelanbau sind in Abhängigkeit von den lokalen Bedingungen von Land zu Land sehr unterschiedlich“, so der Kartoffel-Globetrotter. „Zwischen den Anbausystemen und den Erträgen liegen Welten: In den USA werden durchschnittlich knapp 47 Tonnen pro Hektar geerntet, während der mittlere Ertrag äthiopischer Kleinbauern bei etwa 11 Tonnen liegt, wobei die Erträge dort extrem schwanken.“

Dr. Elmar Schulte-Geldermann, Mitarbeiter des International Potato Center (CIP) am Standort Nairobi, zeigte die Bedeutung der Kartoffel für die Ernährungs- und Einkommenssicherung afrikanischer Kleinbauern auf. So ist die Kartoffel nach Mais in vielen afrikanischen Hochlandgebieten das zweitwichtigste Grundnahrungsmittel. Schulte-Geldermann wies in seinen Ausführungen anschaulich auf die zentrale Bedeutung von qualitativ hochwertigem und standortangepasstem Saatgut und geeignete Sorten für die Verbesserung des Anbaus hin. „Menge und Qualität der Kartoffelernte hängen in hohem Maße von der Qualität des eingesetzten Saatgutes von angepassten Sorten ab. Das Seed Potato for Africa Program des CIP zielt daher auf integrierte Maßnahmen, um die Saatgutqualität im afrikanischen Kartoffelanbau signifikant zu verbessern. Denn ohne gesundes Saatgut können auch andere Anbaumaßnahmen wie eine verbesserte Düngung oder Erntetechnik nicht wirklich greifen“, erläuterte Schulte-Geldermann.

Aus Sicht von Dominik Fortenbacher, Mitarbeiter der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), ist es zentral, die gesamte Wertschöpfungskette der Kartoffel zu betrachten und an vielen Schrauben für deren Optimierung zu drehen. „Die Hemmnisse reichen von abnehmender Bodenfruchtbarkeit über veraltete Produktionstechnik bis hin zu fehlenden Vermarktungsstandards. Regional angepasste Lösungen müssen daher an vielen Stellen ansetzen und die entsprechenden Partner miteinander in Kontakt bringen“, resümierte Fortenbacher die Projekterfahrungen der GIZ. „Netzwerke aufzubauen und dabei auch wirksame sowie dauerhafte Public-Private-Partnerships zu etablieren sind nicht ganz einfache, aber unverzichtbare Bestandteile in der internationalen Projektarbeit.“ Aufbauend auf den bisherigen Projekten wird derzeit von der GIZ das Vorhaben „Promotion of Nutrition Sensitive Potato Value Chain Project“ auf den Weg gebracht; es wird von 2016 bis 2021 laufen.

Erfahrungen aus Sicht eines Unternehmens und die Bedeutung der Nährstoffversorgung für die Erschließung des Ertragspotentials der Kartoffel stellte Prof. Dr. Andreas Gransee, Leiter Research & Advisory der K+S KALI GmbH, vor. Der Düngemittelhersteller ist seit mehreren Jahren im Projekt „Growth for Uganda“ engagiert und dort am Aufbau von Beratungs- und Versorgungsstrukturen für den kleinbäuerlichen Anbau beteiligt. „Wir haben in Uganda wiederholt erfahren, dass die so genannte letzte Meile (last mile) für den Erfolg der Kleinbauern zentral ist. Das gilt sowohl für die bedürfnisgerechte Vermittlung von Fachwissen als auch für den Zugang zu Produktionsmitteln“, berichtete Gransee. So habe die Kartoffel besonders hohe Ansprüche an die Nährstoffversorgung. „In Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort haben wir maßgeschneiderte Düngermischungen in Portionspackungen entwickelt. Sie treffen die speziellen Bedarfe der Böden und Kulturen und sind aufgrund der geringen Größe für die Kleinbauern auch erschwinglich.“

Welche Rolle dem Wissenstransfer für die Erschließung von Ertragspotentialen zukommt und welche Erfahrungen mit verschiedenen Beratungssystemen in Äthiopien, Kenia, Zimbabwe und Malawi gemacht wurden stand im Mittelpunkt des Vortrages von Dr. Shamie Zingore. Der in Zimbabwe geborene Wissenschaftler ist am International Plant Nutrition Institute (IPNI) als Regionaldirektor für das Sub-Saharan Africa Program tätig. Aus seiner Sicht gehört mangelnder Zugang der Kleinbäuerinnen und -bauern zu Fachwissen zu den größten Entwicklungshemmnissen. Vor diesem Hintergrund wurde vom IPNI zusammen mit Düngemittelherstellern das „4R Nutrient Stewardship“ als Forschungs- und Entwicklungsstrategie ausgearbeitet. Deren Ziel ist, die besten Anbaupraktiken bei Mais, Reis, Kartoffeln und Hirse an die Bauern zu vermitteln. Bei den teilnehmenden Pilotbetrieben konnten über einen Zeitraum von drei Jahren Ertragszuwächse von 20 bis 60 Prozent erzielt werden. „Erfolgsentscheidend ist, dass Forschung, Beratung und Praxis in ständigem Kontakt stehen und voneinander lernen. Die gemachten Erfahrungen fließen daher kontinuierlich in die Weiterentwicklung des 4R Nutrient Stewardship ein.“ so Zingore.

Nach einer angeregten Diskussion zu den Potentialen und Herausforderungen für Kartoffeln in Afrika schloss Prof. Dr. Klaus Dittert, wissenschaftlicher Leiter des IAPN, die Veranstaltung: „Ich freue mich, dass wir heute wieder einmal in einem sehr internationalen Rahmen voneinander lernen und miteinander diskutieren konnten. Fortsetzung folgt im Dezember.“ Zum nächsten IAPN im Dialog am 6. Dezember 2016 sind internationale Referenten eingeladen, um mit den Gästen des IAPN über das Thema „Wheat for Food Security and Health: The World Needs More” zu diskutieren.

Das IAPN lädt regelmäßig zu Veranstaltungen der Reihe „IAPN im Dialog“ ein, um einen Austausch zwischen Gastwissenschaftlern oder internationalen Referenten mit Studierenden, Forschern und Gästen aus verschiedenen Bereichen zu relevanten Themen der Pflanzenernährung und Landwirtschaft zu fördern.

 

 

Pressefotos

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Caption: Prof. Dr. Klaus Dittert, Host and scientific Head of the IAPN. (Photo: IAPN)

 

Die Referenten und Organisatoren (v.l.h.n.r.v.): Dr. Shamie Zingore, Prof. Dr. Klaus Dittert, Prof. Dr. Andreas Gransee, Elisabeth Morgen, Dominik Fortenbacher, Florian Dieker, Dr. Elmar Schulte-Geldermann. Download (JPEG-Datei; 4,8 MB)

Caption: The speakers and hosts (LTR): Dr. Shamie Zingore, Prof. Dr. Klaus Dittert, Prof. Dr. Andreas Gransee, Elisabeth Morgen, Dominik Fortenbacher, Florian Dieker, Dr. Elmar Schulte-Geldermann. (Photo: IAPN)

 

Die Referenten und Organisatoren (v.l.n.r.): Elisabeth Morgen, Dr. Shamie Zingore, Prof. Dr. Klaus Dittert, Florian Dieker, Dr. Elmar Schulte-Geldermann, Prof. Dr. Andreas Gransee, Dominik Fortenbacher. Download (JPEG-Datei; 5,7 MB)

Caption: The speakers and hosts (LTR): Elisabeth Morgen, Dr. Shamie Zingore, Prof. Dr. Klaus Dittert, Florian Dieker, Dr. Elmar Schulte-Geldermann, Prof. Dr. Andreas Gransee, Dominik Fortenbacher. (Photo: IAPN)

 

Publikum. Download (JPEG-Datei; 5,1 MB)

Caption: Audience. (Photo: IAPN)

 

Florian Dieker. Download (JPEG-Datei; 6,4 MB)

Caption: Florian Dieker. (Photo: IAPN)

 

Dr. Elmar Schulte-Geldermann, CIP. Download (JPEG-Datei; 5,7 MB)

Caption: Dr. Elmar Schulte-Geldermann, CIP. (Photo: IAPN)

 

Dominik Fortenbacher, GIZ. Download (JPEG-Datei; 5,1 MB)

Caption: Dominik Fortenbacher, GIZ. (Photo: IAPN)

 

Prof. Dr. Andreas Gransee, K+S KALI GmbH. Download (JPEG-Datei; 5,8 MB)

Caption: Prof. Dr. Andreas Gransee, K+S KALI GmbH (Photo: IAPN)

 

Dr. Shamie Zingore, IPNI. Download (JPEG-Datei; 6,4 MB)

Caption: Dr. Shamie Zingore, IPNI. (Photo: IAPN)