- IAPN im Dialog mit Wetterexperte Falk Böttcher

Am 25.06.2015 war Falk Böttcher vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am IAPN zu Gast. Er stellte die Veränderung von Wasserhaushaltsgrößen in der Vergangenheit und in Zukunft vor und diskutierte mit den Teilnehmern über die Konsequenzen für die Landwirtschaft. Zu den betrachteten Wasserhaushaltsgrößen gehören Niederschläge, Bodenfeuchte und Verdunstung.

 

„Wir sind die Exoten im Deutschen Wetterdienst“, stellte Falk Böttcher sich und seinen Arbeitsbereich vor. Er ist einer von rund 60 Mitarbeitern der Abteilung Agrarmeteorologie des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Die Abteilung ist an vier Standorten in Deutschland ansässig. Doktoranden des IAPN arbeiten bereits in einem Projekt mit den Agrarmeteorologen des DWD in der Nähe von Leipzig, einem der zugehörigen Standorte, zusammen. Dies ist nicht ganz überraschend, denn ein zentraler Forschungsschwerpunkt des IAPN ist die Wassernutzungseffizienz von Kulturpflanzen.

 

Trocken wie nie zuvor

Falk Böttcher geht zunächst auf die aktuelle Situation der Bodenfeuchte in Deutschland ein: „Wir haben ein neues absolutes Minimum, denn der bislang niedrigste gemessene Bodenfeuchtewert wird unterschritten. Auf rund 45 Prozent der Bodenfläche in Deutschland herrscht eine bisher nie dagewesene Trockenheitssituation. Der Grund ist, dass etwa ein Drittel der langjährigen Niederschläge in diesem Jahr fehlen.“

 

Bei der Veränderung der jährlichen Niederschlagsmenge sind deutliche regionale Unterschiede feststellbar. „Die Schere geht europaweit immer mehr auseinander. Für Deutschland kann man sagen, der Osten liegt im „Regenschatten der Mauer“, denn dort nimmt die Trockenheit zu“, so Falk Böttcher mit einem Schmunzeln. Neben den räumlichen Niederschlagsunterschieden zeigen sich aber auch zunehmend sehr große jährliche Unterschiede an ein und demselben Standort.

 

Beobachtete Änderungen in der Vergangenheit

Die Niederschlagssumme ist in Deutschland seit 1981 lediglich geringfügig und nicht signifikant zurückgegangen. Jedoch sind die Winter seit 1982 deutlich feuchter geworden, der Anstieg liegt bei 26 Prozent. Entsprechend geringer waren die Niederschläge im Frühjahr. Inwieweit Phänomene wie Starkregen, Hagel oder 10-Tagesperioden ohne Niederschlag zugenommen haben, lässt sich noch nicht gesichert sagen. Dies ist unter anderem auf fehlende Vergleichsdaten zurückzuführen. „Bis 1990 wurden die täglichen Niederschlagsmengen erfasst. Um Starkregen zu ermitteln, ist jedoch die Niederschlagsmenge pro Stunde maßgeblich, die seit 1990 erfasst wird“, so Böttcher.

 

Für den Raum Göttingen sind wesentliche Beobachtungen, dass es eine zunehmende Vorsommertrockenheit gibt, die in der Konsequenz auch einen signifikanten Rückgang der Bodenfeuchte zur Folge hat, denn die reale Verdunstung der betrachteten landwirtschaftlichen Fruchtarten Winterweizen und Zuckerrübe ändert sich kaum. Diese Entwicklung wird auch für die Zukunft erwartet, aber die markanten Änderungen zeigen die Klimamodelle erst ab der Mitte des Jahrhunderts.

 

Worauf sich Landwirte einstellen sollten

„Keep calm and carry on“, lautet Falk Böttchers Antwort auf die Frage, worauf sich Landwirte im Raum Göttingen in Zukunft einstellen müssten. „Es ist zu früh, bereits jetzt über so grundlegende Dinge wie die Anschaffung von Beregnungstechnik nachzudenken, das kann man der nächsten Generation überlassen.“ Auf höhere Volatilitäten der Niederschläge müssten sich die Landwirte jedoch einstellen. Auch lohne es sich, über den Anbau von Zwischenfrüchten und eine bewusste Risikostreuung über die angebauten Fruchtarten oder innerhalb der Fruchtarten über Streuung von Sorten nachzudenken.