- Weizen: ein Eckpfeiler der Welternährung

Bei der sechsten Veranstaltung in der Reihe „IAPN im Dialog“ am 6. Dezember 2016 waren zwei international anerkannte Experten zu den Themen Welternährung und Weizenzüchtung in Göttingen zu Gast: Dr. Hans-Joachim Braun und Dr. Wolfgang H. Pfeiffer. Die Veranstaltung wurde von Prof. Dr. Ismail Cakmak, der zurzeit Gastwissenschaftler am Institute of Applied Plant Nutrition ist, initiiert und von Prof. Dr. Klaus Dittert moderiert.

Ertragssteigerungen verwirklichen

Um den globalen Weizenbedarf von über neun Milliarden Menschen im Jahr 2050 zu decken, muss laut FAO die weltweite Produktion um rund 50 Prozent ansteigen. Dies stellt eine große Herausforderung für Züchter, Agronomen und Bauern dar, da kaum zusätzliche Anbauflächen zur Verfügung stehen und die globale Erwärmung, Wasserknappheit und neue Getreidekrankheiten eine Ertragserhöhung erschweren.

Dr. Hans-Joachim Braun, Direktor des Globalen Weizenzucht-Programmes des CIMMYT (Internationales Zentrum für Mais- und Weizenforschung) in Mexiko stellte die Arbeiten in der Weizenzucht seines Zentrums vor. Wie die weltweiten Klimaveränderungen auf die Erträge und damit die Nahrungsmittelversorgung einwirken können, veranschaulichte er an einem eindrücklichen Beispiel: „An einem mexikanischen Versuchsstandort haben wir den Einfluss steigender Nachttemperaturen auf den Ertrag gemessen. Eine Zunahme der durchschnittlichen Nachttemperatur um 1 °C reduziert den Ertrag pro Hektar um etwa 700 Kilogramm.“ Braun plädierte dafür, die Ressourcen für die agronomische Beratung in Entwicklungsländern deutlich auszubauen, da nur so die züchterischen Fortschritte auch tatsächlich in der Praxis zum Tragen kämen.

 

Versteckten Hunger bekämpfen

Dr. Wolfgang Pfeiffer, stellvertretender Direktor des internationalen HarvestPlus Programmes in Kolumbien stellte in seinem Vortrag die gezielte Züchtung und Verbreitung von mit Mikronährstoffen angereicherten Sorten als landwirtschaftliche Strategie für die Beseitigung von verstecktem Hunger vor. Heutzutage leiden über zwei Milliarden Menschen unter Nährstoffmangel, wobei der Mangel an Mikronährstoffen wie z. B. Zink, Eisen, Vitamin A oder Jod am weitesten verbreitet ist. Dieses Problem ist unter dem Begriff „versteckter Hunger“ bekannt und vor allem in Ländern verbreitet, in denen die Nahrung hautsächlich aus Getreide besteht. Denn Cerealien sind arm an Mikronährstoffen. Mikronährstoffmangel kann vielfältige Krankheiten und Entwicklungsstörungen – vor allem bei Kindern – verursachen. Dazu gehören ein reduziertes Immunsystem, höhere Anfälligkeit für Allgemeinerkrankungen, eine erhöhte Sterblichkeit, oder eine Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung.

Dr. Pfeiffer betonte ebenfalls die zentrale Bedeutung der agronomischen Beratung für die weltweite Ernährungssicherung. „Wenn wir Kleinbauern in agronomischen Techniken fortbilden, ist dies gleichzeitig eine Ernährungsberatung. Wir zeigen in Demonstrationsversuchen auf, wie eine verbesserte Düngung den Zinkgehalt bei Weizen erhöht und damit den Wert des Weizens als Grundnahrungsmittel für die Familie.“

 

Im Anschluss an die beiden Vorträge und einem ergänzenden Statement von Prof. Cakmak wurden verschiedene Aspekte der Vorträge intensiv mit den Teilnehmern diskutiert. Dr. Braun hob abschließend hervor, dass er sich über Göttinger Studierende am CIMMYT sehr freuen und für Anfragen zur Verfügung stehen würde.

Links

Logo of CIMMIT

Mehr über das CIMMYT

 

Logo of CIAT

Mehr über das CIAT